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Der Kutscher von Berlin

Der Kutscher von Berlin

Vor Kurzem rief mich ein älter Herr an und berichtete mir aufgeregt im breitesten Berliner Dialekt von seinem Problem: Er hatte seit über 40 Jahren einen kleinen Fuhrbetrieb mit 4 Pferden und 2 Kutschen, mit denen er abwechselnd Rundfahrten für Touristen anbot.

In zwei Jahren, so erzählte er mir mit tränenerstickter Stimme, wollte er sich mit seinen Pferden (die alle schon über 20 Jahre alt waren) zur Ruhe setzen - und nun dieses Unglück!!! Seine Rösser verbrachten regelmäßig nach der Arbeit ihren Feierabend und die Nacht auf ihren Weiden neben einem Seniorenheim am Stadtrand. Vor ein paar Tagen mähte der Hausmeister des Seniorenheimes den Rasen im Park und warf den gemulchten Rasenschnitt zu den Pferden auf die Weide. Leider befanden sich in dem gemulchten Gras auch Eibennadeln, die von den Pferden gefressen wurden. Zwei der Pferde starben noch in der selben Nacht an der Vergiftung, das Dritte überlebte den Transport in die Pferdeklinik nicht und das Vierte musste trotz intensivster Bemühungen der Tierärzte kurze Zeit später euthanasiert werden.

Die Versicherung des Seniorenheims wollte den Kutscher mit einer minimalen Entschädigung und der Begründung abspeisen, dass die Pferde schon sehr alt wären und keinen Wert mehr hätten. Nun stand der Mann am Ende seines Berufslebens vor dem finanziellen Ruin. Deshalb rief er mich ganz verzweifelt an und bat mich um ein Gutachten, um von mir den Wiederbeschaffungswert seiner Pferde bestimmen zu lassen. Da mich diese Geschichte sehr berührte, machte ich mich sofort an die Arbeit und fing an zu recherchieren und Fakten zu sammeln. Natürlich waren die Pferde des Kutschers alt, aber sie waren noch fit und gesund. Ihr fortgeschrittenes Alter gab ihnen die nötige Erfahrung und Gelassenheit, die man als gutes Kutschpferd im Großstadtverkehr braucht. Sie kannten ihre täglichen Runden auswendig und sie ließen sich durch Nichts aus der Ruhe bringen. Selbst wenn der Kutscher mal einen Moment unachtsam war, verrichteten die vier selbstständig und absolut zuverlässig ihren Job. So sorgten sie für ihren und des Kutschers Lebensunterhalt und verdienten mehr, als so manches teures Turnierpferd. Genau das war ihr Wert. Im Grunde waren Sie unbezahlbar. Es würde Jahre dauern, bis ein neues Gespann so weit ausgebildet wäre, um den Dienst als Kutschpferd durch Berlin so reibungslos zu erfüllen, wie es die alten Pferde jahrelang getan haben.

So argumentierte ich in meinem Gutachten und machte obendrein noch die Rechnung auf, dass die 4 alten Pferde noch monatlich eine stattliche Summe Geld einfuhren. Dadurch war die Versicherung nun zum Glück doch bereit dazu, dem Kutscher den Wert der vergifteten Pferde so zu ersetzen, dass er sich vier ordentlich ausgebildete Fahrpferde anschaffen konnte.

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